LINKE empört über Beschönigung existenzgefährdender Minijobs Drucken
Mittwoch, den 30. August 2017 um 14:33 Uhr

Friedrich-Plakat-VerdientZu der rasanten Steigung von Beschäftigten, die zusätzlich zu ihrem Hauptberuf noch eine Nebentätigkeit ausüben müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, äußert sich Thomas Richter, Chef der Bielefelder Arbeitsagentur mit den Worten: "Das unterstützt unsere Wirtschaft und gibt vielen Menschen einen erfreulichen (...) Zusatzverdienst."

Erst vor einem Monat zeigten Studien der Hans-Böckler-Stiftung, dass rund 76.000 Bielefelderinnen in Teilzeit, Leiharbeit arbeiten oder einzig einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Im vergangenen Jahr ist der Anteil prekärer Beschäftigungsverhältnisse dieser Art auf ein Rekordhoch von 44 Prozent gestiegen.

"Statt Minijobs schön zu reden, müssen besonders diejenigen, die tagtäglich die Sorgen von Menschen mitbekommen, die für einen Niedriglohn - oft sogar unter dem gesetzlichen Mindestlohn - arbeiten müssen, unbefristete Vollzeitverträge fordern. Menschen, die ihr Leben lang prekären Beschäftigungsverhältnissen unterstehen, haben keine Möglichkeit, durch angemessene Sozialversicherungsbeiträge ihre Altersversorgung abzusichern, sind verstärkt von Kündigungen bedroht und rutschen schnell in das Hartz-IV System ab. Eine starke Wirtschaft basiert nicht auf der Ausbeutung von Menschen, sondern darauf, dass die erwirtschaftete Leistung wieder in die Vorsorge der Beschäftigten fließt", betont Friedrich Straetmanns, Bundestagskandidat der LINKEN.

"Ganz abgesehen davon, dass sich Bielefeld gern mit schönen Zahlen bezüglich der Beschäftigungsquote schmückt, die verschleiern, wie stark prekäre Beschäftigungsverhältnisse tatsächlich gestiegen sind, will man Menschen mit Aussagen, wie Herr Richter sie vornimmt, ermutigen, sich weiterhin dem Lohndumping zu fügen und dies auch noch mit Stolz und Würde für die wachsende Wirtschaft zu tun. Minijobs sind kein erfreulicher Zusatzverdienst, sondern der Ausdruck verzweifelter Bielefelder und Bielefelderinnen, die dank politischer Begünstigungen des Niedriglohnsektors, auch nach Feierabend zur Arbeit müssen. Wir brauchen eine Wirtschaft für die Menschen, nicht Menschen für die Wirtschaft!"