Kobane - Die westlichen Regierungen haben versagt, Solidarität von unten ist notwendig! Drucken
Dienstag, den 07. Oktober 2014 um 21:38 Uhr

Fluechtlingsdrama im kurdischen Gebiet KobaneDer Einzug von IS-Kämpfern in die kurdische Stadt Kobane offenbart auch ein moralisches und politisches Versagen der westlichen Staaten.
Eine Änderung der Kurdenpolitik in Deutschland ist angezeigt. Gleichzeitig ist Solidarität mit der kurdischen Bewegung notwendig.




Foto: Heike Hänsel, 21. September 2014. Fraktion DIE LINKE. im Bundestag:
Flüchtlingsdrama an der türkisch-syrischen Grenze im kurdischen Gebiet Kobanê

Der Einzug von IS-Kämpfern in die kurdische Stadt Kobane offenbart auch ein moralisches und politisches Versagen der westlichen Staaten. Eine Änderung der Kurdenpolitik in Deutschland ist angezeigt. Gleichzeitig ist Solidarität mit der kurdischen Bewegung notwendig.

Nach aktuellen Meldungen wird die vollständige Einnahme der Stadt Kobane an der syrisch-türkischen Grenze durch IS-Banden nicht mehr aufzuhalten sein. Leicht bewaffnete Kämpfer der kurdischen YPG haben sich dort wochenlang gegen den Ansturm gewehrt und zumindest einem Großteil der zivilen Bevölkerung die Flucht ermöglicht. Im Kontrast dazu ist die hochgerüstete irakische Armee vor dem IS einfach zusammengebrochen. Die dabei erbeuteten Waffen - und Munitionsbestände haben dem IS die aktuelle Offensive ermöglicht.


Kobane ist nicht einfach eine weitere Stadt, die vom IS erobert wurde. Die Region um Kobane war eines von 3 Gebieten, in denen kurdische Kräfte, die der PKK nahe stehen die lokale Verwaltung übernommen haben. In diesen Regionen wurde die politische Beteiligung der Bevölkerung gefördert und viel für die Gleichberechtigung der Frauen getan. Vor allem wurde und wird in diesen Gebieten nicht einfach eine kurdische Herrschaft etabliert, sondern alle Volksgruppen, auch Araber, Turkmenen etc. sind an dem Projekt beteiligt. Somit entstanden im Norden Syriens unter dem Schutz der YPG Gebiete, in denen die religiöse und nationale Spaltungen nicht vertieft, sondern abgebaut wurden. Das ist in der Region einzigartig!

Trotzdem oder vielleicht deshalb sieht die Türkei dem Fall von Kobane tatenlos zu. Die YPG ist durch einen streng bewachten Grenzzaun von jeder Unterstützung abgeschnitten. Ankara geht es nicht darum den IS zu bekämpfen, sondern kurdische Autonomiebestrebungen zu verhindern. Von der deutschen Bundesregierung war nie eine Kritik an dieser Politik zu vernehmen. Deutschland hat keine Bedenken, die korrupte kurdische Regionalregierung im Nordirak mit Waffen zu beliefern. Gleichzeitig wird aber mit dem PKK-Verbot eine Bewegung, die tief in der kurdischen Bevölkerung verankert ist, kriminalisiert. Diese Schizophrenie muss ein Ende haben! Deshalb ist es wichtig, dass sich auch in Deutschland viele Menschen mit den aktuellen Protesten von Kurden solidarisieren. Um den Menschen in den Kurdengebieten Syriens sowie in den Flüchtlingslagern der Türkei direkt zu helfen, gibt es eine unterstützenswerte Spendenkampagne von Medico International (zu finden unter: www.medico.de/rojava).

Frank Schwarzer 07.10.2014