Krieg ist keine Berufsperpektive! Drucken
Mittwoch, den 28. September 2011 um 15:34 Uhr

DIE LINKE Bielefeld wendet sich mit einem offenen Brief gegen die Teilnahme der Bundeswehr an der Bielefelder Berufsinformationsbörse

Die Bundeswehr versucht, nicht nur durch Präsenz in den Arbeitsagenturen, sondern auch in Schulen Rekruten anzuwerben. Aber die Bundeswehr ist kein „Arbeitgeber“ wie jeder andere. Eine Tätigkeit bei der Bundeswehr ist etwas grundlegend anderes als beispielsweise bei der Feuerwehr oder der Polizei zu arbeiten. Nicht Schützen und Retten, sondern Töten und getötet werden – das ist, was das Wesen des Soldatenseins ausmacht. Verharmlosende Werbung verschleiert dies und schafft neue Opfer.

Mit der Abschaffung der Wehrpflicht hat der Druck auf die Bundeswehr zugenommen. Bisher haben sich gerade Mal 3400 Jugendliche für den Freiwilligendienst gemeldet. Die Bundeswehr braucht und plant aber mit 15 000 (!) [NW 04. Juli 2011]. Deshalb gehen sie dort hin wo die potenziellen Rekruten sind: an die Schulen.


Sie werben mit Ausbildungsangeboten und „Karriere mit Zukunft“. Wie die Zukunft aussieht, haben zwei unserer Bielefelder Jugendlichen am eigenen Leib erfahren müssen. Sie wurden im Krieg in Afghanistan getötet. Diese beiden Jungen – gerade mal 23 Jahre alt – sollten eigentlich bestes Beispiel dafür sein, dass das Werben der Bundeswehr ein Werben fürs Sterben ist.


Nicht mal vor Minderjährigen macht die Bundeswehr halt. „Früh übt sich“, ist die Devise. Während sich alle Parteien über den Einsatz von Kindersoldaten im Ausland beschweren, verschließen sie die Augen vor den eigenen Kindersoldaten. Die Bundeswehr bildet in Afghanistan schon 16-Jährige an der Waffe aus! In Deutschland darf man sich schon mit 17 Jahren verpflichten.


Die Verfassung unseres Landes verpflichtet den Staat dazu, die Jugend im Sinne von Toleranz und Friedensgesinnung zu erziehen. Die Anwendung militärischer Gewalt widerspricht diesem Gebot!

 

                                            (Bild: Ostermarsch in der Senne)

 

Selbstverständlich behaupten die Herrschenden, dass die Bundeswehr Bürger in Uniform sind, dass die Bundeswehr eine Friedensarmee ist. Spätestens mit der Abschaffung der Wehrpflicht ist die Bundeswehr zu einer Berufsarmee geworden, in denen eben nicht alle Bürger zu diesem Dienst verpflichtet werden, sondern nur bestimmte Gruppen und soziale Schichten.


Selbst der ehemalige Bundespräsident Köhler hat keinen Hehl über die Ziele der Bundeswehr gemacht. Sie ist dazu da die wirtschaftlichen Interessen der Nation im Ausland abzusichern. (Er musste für diese Wahrheit seinen Hut nehmen.)

Nicht Friedens-, sondern Wirtschaftssicherung ist das Ziel der Bundeswehr und da Deutschland viele und unterschiedliche Interessen hat, bedarf es einer mobilen Einsatztruppe, die jederzeit, überall und schlagkräftig intervenieren kann.

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Dokumentiert der Offene Brief

An
Schulamt Bielefeld
Schulleitung des Carl-Severing-Berufskolleg für Handwerk und Technik
Schulleitung des Carl-Severing-Berufskolleg für Metall- und Elektroberufe
Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit
Frau Brigitte Brune (WEGE Bielefeld)

Krieg ist keine Berufsperpektive!
Keine Bundeswehr auf der Bielefelder Berufsinformationsbörse

 

Sehr geehrter Herr Wenzel, sehr geehrter Herr Nolte, sehr geehrter Herr Bolte, sehr geehrter Herr Richter, sehr geehrte Frau Brune,

 

Wie in den letzten Jahren so veranstalten Sie auch dieses Jahr wieder die Bielefelder Berufsinformationsbörse in den Carl-Severing-Berufskollegs. Der Übergang in das Berufsleben ist eine entscheidende Etappe im Leben eines jeden Menschen. Eine gesicherte Berufsperspektive und eine Arbeit, von der man leben kann, sind gerade in diesen Zeiten einer schweren Weltwirtschaftskrise wichtige Voraussetzungen für eine gute Zukunft.


Mit großem Unverständnis haben wir allerdings zur Kenntnis genommen, dass Sie unter den Anregungen und Tipps rund um das Thema Ausbildung und Studium nicht nur auf Berufe wie Informatiker und Bauingenieur verweisen.
Sie wollen bei den Schülern und Schülerinnen auch Begeisterung für das „Berufs“bild des Offiziers bei der Bundeswehr wecken. Zudem ermöglichen Sie der Bundeswehr Vorträge auf der Berufsinformationsbörse zu halten und mit Infoständen Präsenz zu zeigen. Krieg ist aber keine Berufsperspektive! Wie eine solche „berufliche“ Zukunft aussieht, das haben zwei unserer Bielefelder Jugendlichen am eigenen Leib erfahren müssen. Sie wurden im Krieg in Afghanistan getötet. Wir protestieren ganz entschieden gegen den Mißbrauch einer solchen Veranstaltung für die Schüler der 9. Klasse durch die Bundeswehr.


Wir verstehen, dass sie unter großem Druck von Seiten der Bundesregierung und Bundeswehr stehen. Eine große Mehrheit der Bevölkerung steht nicht hinter der Politik der Regierung und lehnt den Krieg in Afghanistan ab. Statt der geplanten 15.000 Freiwilligen haben sich bisher erst 3.400 Jugendliche für den Freiwilligendienst gemeldet (NW 04.07.2011). Die Jugendlichen wollen nicht als Kanonenfutter für die Kriege der Herrschenden herhalten. Das macht die Bundeswehr nervös und läßt sie auf die Schulen zugehen.

 

Aber wir wissen auch, dass trotz aller Kooperationsvereinbarungen der Bundeswehr mit den Ländern, Sie, die Schulleiter und verantwortlichen Lehrpersonen, das letzte und entscheidende Wort haben. Zeigen sie also Zivilcourage und laden sie Frau Evers-Tigges von der Wehrdienstberatung Herford und die Bundeswehr wieder aus! Mit einer solchen Entscheidung befänden Sie sich in guter Gesellschaft. Bereits 2010 hat der Hauptvorstand der GEW sich in einem Beschluß „entschieden gegen den zunehmenden Einfluß der Bundeswehr auf die inhaltliche Gestaltung des Unterrichts“ gewandt.

 

Mit der Hoffnung auf eine positive Antwort Ihrerseits

 

Die LINKE. Kreisverband Bielefeld – Der Vorstand