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Samstag, den 28. März 2015 um 08:52 Uhr

600 streikende Erzieherinnen demonstrieren vor dem Rathaus

Sozial-Streik 27.03.2015Seit acht Uhr hatten sich am Freitag den 27. März rund 600 Erzieherinnen aus den städtischen Kitas in Bielefeld und dem Kreis Gütersloh in der Raspi versammelt.

55 von 90 kommunalen Kitas in OWL blieben zu. In Bielefeld waren 18 städtische Kitas ganz dicht, während in 19 weiteren nur eine Notbesetzung statt. Der Warnstreik am Freitag bildet den Auftakt für eine harte Auseinandersetzung, um eine deutliche Höhergruppierung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst durchzusetzen.

Bei der zweiten Verhandlungsrunde mit dem Verband der kommunalen Arbeitgeber (VKA) am Montag in Münster hatten die Beschäftigten bereits ein starkes Zeichen ihrer Entschlossenheit gesetzt. Auch eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen der freien Träger, vom Roten Kreuz bis zur AWO, fanden sich am Freitag in der Raspi ein, um ihre Solidarität zu bekunden.

 

Aufwerten-jetztWenn es den kommunalen Beschäftigten und der Gewerkschaft ver.di nicht gelingt eine deutliche Verbesserung durchzusetzen, dann besteht auch für die Kolleginnen und Kollegen bei der AWO und anderen freien Trägern keine Aussicht ihre Arbeit aufzuwerten.


Der VKA zeigt sich bisher nur wenig kompromißbereit. Auch in der zweiten Verhandlungsrunde am 23 März in Münster legten sie kein Angebot vor. Die kommunalen Arbeitgeber erkennen zwar die Bedeutung und die Unverzichtbarkeit der Arbeit im Sozial- und Erziehungsdienst an, sehen aber keinen Grund für eine bessere Bezahlung. Wohlfeile Worte über den anstrengenden und verantwortungsvollen Beruf der Erzieherin gibt es im Überfluß. Die öffentlichen Kassen aber sollen verschlossen bleiben, damit die Schuldenbremse eingehalten wird. Die Rettung maroder Banken ist der Großen Koalition im Bund wichtiger als eine wertschätzende Bezahlung für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst.


Gerade unter den Erzieherinnen in den Kitas ist der Unmut über ihre Arbeitsbedingungen und Bezahlung groß. Sie gehörten zu den großen Verliererinnen bei dem Wechsel vom alten Bundesangestellten-Tarifvertrag (BAT) zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TvÖD). In Abhängigkeit von Berufseinstieg und der Zahl der eigenen Kinder verloren einzelne bis zu 200.000 Euro bezogen auf die Lebensarbeitszeit. Gegen diese Verschlechterung haben sie 2009 gestreikt. Damals erzielten sie in einem 10-wöchigen Streik eine Lohnerhöhung von 11 Prozent für neu eingestellte Erzieherinnen. Das war nicht nur finanziell ein großer Gewinn. Auch die in immer mehr Beschäftigungsbereichen grassierende Spaltung zwischen Alt-Beschäftigten und schlechter gestellten Neubeschäftigten wurde damit aufgehoben, eine wichtige Voraussetzung, um sich erfolgreich für die eigenen Interessen einzusetzen.


Jetzt kämpft ver.di nicht gegen die Verschlechterungen der Vergangenheit, sondern für eine deutliche Verbesserung, für eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsdienste. Zum kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst gehören Erzieher/innen, Sozialarbeiter/innen, Sozialpädagogen, Fachkräfte für Arbeits- und Berufsförderung, Kinderpfleger/innen und Heilpädagogen. ver.di will die Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst, in denen überwiegend Frauen arbeiten, über die bessere Eingruppierung nachhaltig aufwerten. Denn richtig gute Arbeit, die muss auch richtig gut bezahlt werden, so die Forderung von ver.di.

 

In der Öffentlichkeit wird viel über die Quote bei Managern geredet, wenn es um die Benachteiligung von Frauen im Beruf geht. Für die ganz überwiegende Mehrheit der Frauen bringt diese Forderung aber wenig. Der deutliche Lohnabstand zwischen Männern und Frauen von 22 Prozent hängt aber vor allem damit zusammen, dass Frauen vor allem in Berufen arbeiten, die wie der Sozial- und Erziehungsdienst finanziell nur wenig Anerkennung bekommt. Die aktuelle Tarifauseinandersetzung ist deshalb auch eine große Chance, die Schere zwischen Männern und Frauen bei den Einkommen zu schließen. Für hunderttausende weibliche Beschäftigte wäre das ein ganz praktischer Fortschritt.


Indirekt profitieren von einem Tarifergebnis mit den kommunalen Arbeitgebern auch die mehr als 500.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst bei freien und kirchlichen Trägern, da sie die Tarifverträge entweder übernehmen oder sich daran orientieren. Übernehmen sie die Tarifverträge nicht, dann werden sie ein Problem bekommen, denn in vielen dieser Bereiche herrscht heute schon ein Arbeitskräftemangel. Und warum soll man sich für eine Stelle bei einer Kita in Bethel oder bei der AWO bewerben, wenn die Gehälter bei der Stadt deutlich besser sind. Deshalb ist es wichtig, dass jetzt auch aus diesen Bereichen Solidarität kommt.


ver.di will die Eingruppierungsvorschriften und Tätigkeitsmerkmale neu regeln. Die Beschäftigten sollen in einer höheren Tarifgruppe eingruppiert werden. Den rund 240.000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst soll dies Einkommensverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent bringen. “Die Beschäftigten erwarten zu Recht, dass ihre anspruchsvolle pädagogische Arbeit so bewertet und bezahlt wird, wie die Tätigkeiten von Fachkräften in anderen Branchen”, sagt der ver.di-Verhandlungsführer Onno Dannenberg.

 

ver.di hat angekündigt, die Streiks nach der dritten Verhandlungsrunde am 9. April 2015 fortzusetzen und deutlich auszuweiten.
Die Linke unterstützt die Forderung nach einer deutlichen Aufwertung.

 

Geld ist genug da, es ist nur in den falschen Händen.

Heinz Willemsen, Kreisvorstand DIE LINKE Bielefeld

 

http://www.soziale-berufe-aufwerten.de/

 

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http://marx21.de/erzieherinnen-tarifrunde-uns-unterstuetzen-viele-die-nicht-direkt-betroffen-sind/

 

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