Die Linke lehnt Campus-Projekt „Lange Lage“ ab PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 02. Juni 2009 um 10:19 Uhr

Stadt soll innerstädtische Brachfläche als technischen Campus für FH verwenden


Das Campus-Projekt „Lange Lage“ wird von der Ratsgruppe DIE LINKE nicht unterstützt. „Wir haben uns intensiv mit dem Vorhaben beschäftigt und uns auch die verschiedenen Alternativstandorte angeschaut“, erläutert Ratsfrau Barbara Schmidt. „Unter den drei bekannten Vorschlägen ist der Standort Lange Lage derjenige, der ökologisch, stadtplanerisch wie auch ökonomisch am schlechtesten abschneidet“. Hier werde ein weiteres Stück Natur zugebaut, während innerstädtische künstliche neue Brachflächen erzeugt werden. Auch müssten an der Langen Lage erst aufwändige Infrastruktur hergestellt werden, die an anderen Standorten schon vorhanden sind. „Es sollte bei der Entscheidung mehr auf die Belange der SteuerzahlerInnen / BürgerInnen / BewohnerInnen, sowie die Naturverträglichkeit geachtet werden“.


Von den bekannten Alternativ-Standorten des Campus-Projekts zieht die Linke-Ratsgruppe den Bereich Am Stadtholz / Werner-Bock-Straße / Bertelsmannstraße vor. In diesem Bereich sind bereits einige Fachbereiche der Fachhochschule untergebracht. Mit der Insolvenz von Wehmeyer-Castrup ständen weitere Flächen für ein Campus-Gelände zur Verfügung.


Wenn die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB), die zusammen mit der Fachhochschule die ehemalige Reichsluftwaffenkleiderkammer Am Stadtholz nutzt, in einem anderen Gebäude unterkäme, könnte die Fachhochschule ein größeres Gelände nutzen als an anderen Standorten. Infrastruktur (samt Parkhaus ) ist Am Stadtholz vorhanden, das Gebiet mit Bus und Bahn bereits heute gut angebunden.


Der Vorschlag der Bürgerinitiative ProGrün, die Fläche der bisherigen Universitäts-Parkhäuser zu überbauen, findet bei der Linken-Ratsgruppe nur verhaltenen Beifall. „Dies verstärkt das schon jetzt erlebbare verkehrspolitische Fiasko“, betont Beate Niemeyer. „Wer heute mit der Stadtbahn oder dem Auto die Universität oder eine der fünf Schulen im Bielefelder Westen erreichen will, weiß, was hier abgeht“. Kommen aber noch einmal 4.000 Studierende und Beschäftige hinzu, wäre dies trotz neuer Stadtbahn-Züge praktisch nicht mehr zu bewältigen.


Der Wunsch der Fachhochschule nach einem gemeinsamen Standort aller Fachbereiche ist verständlich und berechtigt. Klar ist aber, dass auch der jetzt geplante Neubau nicht alle Fachbereiche fußläufig zusammenbringen würde. Zudem birgt die Lange Lage als Hochschulstandort so viele negative Aspekte für die gesamte Stadtentwicklung, dass bei Abwägung aller Faktoren insgesamt nur eine Ablehnung und Umplanung sinnvoll erscheint.


Die LINKE appelliert an alle Beteiligten, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und andere Standorte in Erwägung zu ziehen. „Es nutzt Bielefeld nichts, wenn wir schöne Projekte auf der grünen Wiese verwirklichen, in der Stadtmitte damit gleichzeitig neue Löcher aufreißen“, so Barbara Schmidt. Im Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss hat DIE LINKE eine Anfrage nach Erschließungskosten für die verschiedene Standorte sowie die Auswirkungen auf die Verkehrsströme gestellt.