PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 20. Februar 2010 um 18:22 Uhr

Ausbildungsnot in Bielefeld

Womit der Ausbildungsverein BAJ zugrunde gerichtet wird


von Dietmar Hölscher, Fraktionsgeschäftsführer DIE LINKE Bielefeld

 


Im Dezember 2009 waren in Bielefeld 1971 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. Darunter 667 bereits länger als 6 Monate.

 

Viele Familien kennen die Schwierigkeiten, eine Lehrstelle für ihr Kind zu finden. Im Wettrennen um eine Lehrstelle haben insbesondere Jugendliche mit schulischen und sozialen Problemen keine Chance. Es ist die Pflicht der Stadt Bielefeld, sich auch um ihre jungen Bürger zu kümmern. Der Verein BAJ, eine Einrichtung der „Jugendberufshilfe“, versucht mit Unterstützung der Stadt diesen Jugendlichen eine vertiefende Berufsorientierung, eine Berufsvorbereitung und eine vollqualifizierende Ausbildung zu geben. Er  hat in seiner 25jährigen Tätigkeit tausende von Jugendlichen beruflich qualifiziert. Aktuell bietet er mehr als 500 Qualifizierungsplätze an. 100 Ausbilder, Lehrer und Sozialarbeiter betreuen die Jugendlichen.


Denn Menschen, die arbeiten und Steuern bezahlen, sind auch für das „Stadtsäckel“ besser als zukünftige Bezieher von Hartz IV.



Diese gute Arbeit ist nun gefährdet!



Die angebotenen Maßnahmen des BAJ werden „am Markt wettbewerblich ausgeschrieben“. Der günstigste Anbieter bekommt den Zuschlag. Niemand käme z.B. auf die Idee, Lehrerstellen an Schulen auszuschreiben und den „billigsten“ Lehrer dann einzustellen.


Die Folge ist, dass Arbeitgeber zunehmend Arbeitsverträge befristen, Honorar-Kräfte einstellen, Teilzeitverträge anbieten – an Berufsschultagen und zu Unterrichtszeiten wird der Ausbilder „nicht gebraucht“.


Mit dem Scheinargument: „Sie wollen doch auch, dass wir die Ausschreibung gewinnen“, werden Beschäftigten Lohnkürzungen abgepresst. So verzichten z.B. die Beschäftigen des Vereins BAJ auf die Jahressonderzahlungen (früher Weihnachts-Urlaubsgeld: - 8 %) und seit 2005 auf die halben tariflichen Erhöhungen (– 4 %). In den Jahren 2010 – 2012 sollen weitere drastische Lohnkürzungen folgen!



Dass die Beschäftigten des BAJ damit möglicherweise den Eisbrecher spielen sollen für Lohnkürzungen bei der Stadt, daran denkt nur ein Schelm. Zusätzlich will die Stadt ihren Zuschuss bis Ende 2012 auf Null zurückfahren. Schon jetzt liegt eine alleinerziehende Mutter, mit 2 Kindern, bei einer Vollzeitstelle, mit Einstiegsgehalt (TVöD EG 9 Stufe 2) nur ca. 170 € über den Hartz-IV-Sätzen. Viele Honorarkräfte leben in einer vergleichbaren Situation.



Gute Ausbildung hat ihren Preis. Dem Lohnraub bei den Beschäftigten des BAJ muss ein Ende bereitet werden.