AfD-Plakat an sog. „Judenhaus“ - Die Linke Bielefeld fordert sofortige Entfernung!
Wir haben zur Kenntnis genommen, dass heute an einer der zentralsten Straßen Bielefelds mehrere Plakate mit AfD-Propaganda angebracht wurden. Eines dieser Plakate enthält nicht nur rassistische Hetze gegen Geflüchtete, sondern befindet sich zudem an der Fassade des sogenannten Judenhauses in der Jöllenbeckerstr. 51. 1968 wurde das Haus von der Jüdischen Kultusgemeinde als „Judenhaus“ gelistet, nun ist die Hausfassade zum Schauplatz menschenverachtender Hetze umfunktioniert worden.
Ein offizielles Parteilogo oder Impressum der AfD findet sich auf dem Plakat nicht, allerdings sind gleiche und ähnliche Plakate bisher auch in Bamberg und Hamburg aufgetaucht. Hinter der Aktion soll eine millionenschwere Sachspende aus Österreich stecken, mit der Tausende AfD-Plakate für die Bundestagswahl finanziert worden seien sollen. Konkret soll der ehemalige FPÖ-Landesgeschäftsführer Gerhard Dingler diese bundesweite Plakatierungsaktion mit einer Sachspende in Höhe von 2.349.906,62 Euro finanziert haben.
Die makabre und widerwärtige Platzierung des Plakats gerade von denjenigen, die den Holocaust nicht nur verharmlosen, sondern in Teilen leugnen und damit Millionen von Opfern verhöhnen, ist eine unverhohlene Provokation und zutiefst geschichtsvergessen. Es ist inakzeptabel, dass diejenigen, die das Erbe dieser widerwärtigen Ideologie tragen und die Menschheitsverbrechen der Nazis verharmlosen, sich anmaßen, solch widerwärtige Propaganda an einem Ort zu platzieren, der untrennbar mit dem Leid und den Schrecken des Holocaust verbunden ist.
Wir verurteilen diese schändliche Aktion auf das Schärfste und fordern die sofortige Entfernung des Plakats. Es darf nicht sein, dass solche menschenverachtenden Hetzparolen in unserer Stadt öffentlich zur Schau gestellt werden und historisches Erbe mit dieser schändlichen Ideologie befleckt wird.
Es liegt in unserer Verantwortung, die Erinnerung an die Schrecken des Holocaust wach zu halten und Rechtsextremismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten!
Hintergrundinformationen
Das „Judenhaus“ in der Jöllenbeckerstr. 51 in Bielefeld
„Schon vor dem „Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden“ vom 30. April 1939 hatten Greves seit 1936, meist nur für wenige Monate, jüdische Mieter gehabt, darunter bis 1939/40 die Eheleute Albert Daltrop (1886-1977) und Charlotte/Lotte Daltrop geb. Raphael (1900-2001). Der vom Lehrgut Ellguth bei Steinau zugezogene Schoah-Überlebende Walter Landsberger (1920-2001) und auch Josef Reinhold (1916-1945) konnten Anfang 1939 von hier in die Niederlande auswandern. Josef Reinhold wurde dort gefasst und starb am 30. Januar 1945 in Auschwitz, nur drei Tage nach seiner Befreiung.
Am 1. November 1939 zog die in Werdohl geborene Pauline Lennhoff (1883-?) zu, womit das Haus zum „Judenhaus“ wurde. Es folgten am 5. März 1940 aus dem ostfriesischen Esens die Eheleute August Levy (1887-?) und Helene Levy geb. Heinemann (1885-?), die am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet wurden. Danach zogen Paulines Schwester Berta Lennhoff (1890-1942) und Selma Raphael geb. Roos (1877-1943) zu. Alle drei wurden gemeinsam mit Seligmanns nach Theresienstadt verschleppt, Pauline von dort aus nach Auschwitz, wo sie mit unbekanntem Datum ums Leben kam. Selma Raphael wurde weiter nach Treblinka deportiert, danach nach Auschwitz, wo sie im Oktober 1943 ermordet wurde.“
Auszug aus: spurensuche-bielefeld.de/spur/judenhaus-in-der-joellenbecker-strasse
