Heimatpreis für Heimatverein Schildesche e.V.
Der Heimatverein Schildesche e.V. erhielt im August 2026 zusammen mit der „AG Lebens-mitteltisch“ und der „Schulkramkiste“ den mit je 5000 € dotierten Heimat-Preis der Stadt Bielefeld für sein „herausragendes gesellschaftliches und historisches Engagement“ (Radio Bielefeld) „Damit sehen wir unser vielfaches Engagement gewertschätzt, denn Heimatinte-resse muss nicht zwangsläufig konservativ ausgerichtet sein“, sagte Dr. Hartwig Hawerkamp, Vorsitzender des Heimatvereins Schildesche und Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion in der Bezirksvertretung Schildesche. „In Schildesche gibt es aufgrund der Entstehungsgeschich-te als Stift noch recht viele historische Besonderheiten und ortsbildprägende Bausubstanz, die es zu vermitteln und zu bewahren gilt.“
So engagiert sich der Verein v.a. gegen den vorschnellen Abriss historischer Bauten. Aber dieses Engagement reicht oftmals nicht aus. Hawerkamp sieht eine Ursache darin, dass die Untere Denkmalbehörde weiterhin dem Bauamt angeschlossen ist. Denn dieses ist bekannt dafür, dass es historische Bauten kaum schützt und übereilten Abrissvorhaben Vorschub gewährt. „Und dabei gibt es sehr wohl genügend Beispiele, dass die Aufrechterhaltung und Weiternutzung älterer Gebäude möglich ist“, meint Hawerkamp. „Die Stadt droht durch den Schwund ortsbildprägender Gebäude zunehmend unattraktiv zu werden. Sowohl durch unsere monatlichen Stadtteil-Rundgänge als auch über den forcierten Kontakt zu den Schildescher Schulen wollen wir das Bewusstsein für Regionalgeschichte gerade auch bei den Jüngeren stärken.“
Die Oberbürgermeisterin stellte in ihrer Laudatio heraus, dass der Heimatverein auch Neuland betritt. So überschritt er durch seine Vortragsreihe „Schildesche unterm Hakenkreuz“ das gewohnte Repertoire vieler Heimatvereine. „Wir wollten der verklärenden Mär Ewiggestriger im Ort, die heute noch behaupten, dass es Nazis nur in Berlin und München gegeben habe und nicht in Schildesche, entgegentreten“, so Hartwig Hawerkamp. Durch ein breites Angebot unter Hinzuziehung ortsgeschichtlicher Kompetenz informierte der Verein über Themen wie die Kinderlandverschickung unter den Nazis, deren Vereinnahmung der 1000-Jahrfeier Schildesches 1939, die Rolle des Schildescher Malers Viktor Tuxhorn als Presseamtsleiter der NSDAP-Gruppe Kamphof-Schildesche, die Umstrukturierung der regionalen Vereine und der Freien Scholle als hiesige Genossenschaft durch die Nationalsozialisten oder auch über die todbringenden Auswirkungen auf die hiesige Bevölkerung bei der Zerstörung des Schildescher Viaduktes durch die größte Bombe des II. Weltkrieges. Unter Federführung des Heimatvereines wird der politische Beschluss der Bezirksvertretung Schildesche umgesetzt, vor dem ehemaligen jüdischen Geschäftshaus Grünewald in der Johannisstraße 23 eine Erinnerungsstele für alle während des Nationalsozialismus ermordeten Schildescher:innen zu errichten. „Dabei soll niemand vorgeführt oder verunglimpft werden, aber es liegt uns viel daran, diese Phase der Regionalgeschichte solide und fachkompetent darzustellen und nicht länger auszuklammern.“
Dennoch kommen Tagesfahrten und Besichtigungen regionalhistorisch interessanter Projekte wie der Porzellan-Manufaktur in Fürstenberg, der Papiermühle in Harsewinkel, der Rapshonig-Herstellung in Stieghorst oder dem Gerberei-Museum in Enger nicht zu kurz. Durch Schnatgänge, das monatliche Erzähl-Café und gesellige Nachmittage sowie das jährliche Grünkohl- und Pickertessen setzt der Verein nicht unerheblich gemeinschaftsfördernde Impulse im Stadtteil.
Mein Fazit: Vereinsarbeit macht Spaß und verbindet!
Dr. Hartwig Hawerkamp


