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Widersprüchliche Taubenpolitik und Tierleid bleiben bestehen

In der Ratssitzung am 8. Oktober 2026 wurde über den Antrag der Ratsfraktion Die Linke auf ein Verbot von Hochzeitstauben mit Verweis auf juristische Hürden und einen „Eingriff in die Berufsausübungsfreiheit“ der Züchter*innen und Anbieter*innen nicht abgestimmt. Die Fraktion nahm diese Begründung kritisch zur Kenntnis. Daher blieb lediglich die Möglichkeit, den Antrag noch vor Ort so umzuformulieren, dass die Stadt Bielefeld künftig einen offiziellen Hinweis zur Problematik von Hochzeitstauben veröffentlicht, Paare zum Verzicht auf Hochzeitstauben ermutigt und über die Folgen aufklärt. Dieser veränderten Fassung stimmte der Rat zu.

Der ursprüngliche Antrag sah vor, die Genehmigungspraxis vollständig einzustellen und das Aussetzen von Tauben bei Hochzeiten, Feiern und Veranstaltungen zu untersagen. Auch bundesweit wächst die Kritik: Die Stadt Köln warnt aktiv vor dem Einsatz von Hochzeitstauben und Ausschüs-se des Bundesrates empfahlen bereits 2024, das Freilassen von Tauben bundesweit zu untersagen.

Hintergrund des ursprünglichen Antrags war neben dem produzierten Tierleid auch die widersprüchliche Taubenpolitik der Stadt. Für das städtische „Projekt“ zur ”Regulierung” der Taubenpopulation – also die beiden Stellen, an denen Tauben das Mittel Ovistop erhalten, einschließlich Betreuung und Beobachtung – wurden jährliche Kosten von 75.000 € kalkuliert. Im ersten Jahr fielen rund 60.400 € an, um die Fortpflanzung der Stadttauben zu hemmen
Andererseits bleibt das Freilassen gezüchteter Hochzeitstauben erlaubt – eine Praxis, die nachweislich Tierleid verursacht und neue Tauben hervorbringt und damit genau das Problem verstärkt, das die Stadt mit großem finanziellen Aufwand zu bekämpfen versucht.

„Diese Logik erschließt sich uns nicht“, erklärte Liza Koç in ihrer Rede. „Der nun vereinbarte Hinweis der Stadt ist ein Teilerfolg, bleibt jedoch deutlich hinter dem zurück, was notwendig wäre. Die Taubenpolitik unserer Stadt bleibt damit widersprüchlich: Während die Stadt hohe Summen in die „Regulierung“ der Taubenpopulation investiert, wird weiterhin eine Praxis geduldet, die neues Tierleid verursacht und die Taubenpopulation weiter anwachsen lässt”, so Koç.
In der Ratssitzung am 19. November steht die Ausweitung der Ovistop‑Verfütterung zur Entscheidung. Die Linke kündigt an, diese Beschlussvorlage abzulehnen und ruft weitere Fraktionen dazu auf, dies ebenfalls zu tun, da der Einsatz von Ovistop als eindeutig tierschutzwidrig einzustufen ist.

Die Linke verweist zudem auf die Erfahrungsberichte der ehrenamtlich Engagierten von „Stadttauben Bielefeld“, die regelmäßig Taubeneier aus tierschutzrechtlichen Gründen gegen Attrappen austauschen, verletzte Tauben versorgen und von Tauben berichten, die nach der Aufnahme von Ovistop an Überhitzung oder Schwäche sterben.

 

Antrag Die Linke 

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