Digitalisierung im ÖPNV ja – aber bitte ohne Ausgrenzung!
MoBiel schafft den Barverkauf bei den Einzeltickets im Bus ab. Außerdem wird das bei vielen beliebte Vierer-Ticket, für vier Fahrten jederzeit stempelbar, eingestellt. Dazu werden in Bus und Bahn die Entwerter schrittweise abgeschafft. MoBiel setzt auf digitale Angebote mit Smartphone bzw. Prepaidkarte. Viele Menschen nutzen bereits ein Smartphone für Online-Tickets, aber eben nicht alle.
Die vorgeschlagene Lösung einer Prepaidkarte ist nicht nur umständlich, sondern auch kostenintensiv. Sie schließt Kinder, Spontanfahrer ohne Abo und ältere Menschen weitgehend aus. Das heißt, um mit moBiel fahren zu können, muss man erst einen Ort aufsuchen, an dem man diese Karte kaufen kann. Statt wie bisher 1,90 € für eine ermäßigte Fahrt zu bezahlen, muss man einen höheren Betrag auf die Karte laden. Wie soll ein Grundschulkind mit einer solchen Karte sicher umgehen? Auf Nachfrage konnte moBiel keine Lösung anbieten. Es wird auf das Schulticket verwiesen, das aber viele Kinder nicht haben.
Nicht nur Kinder werden durch die Digitalisierung der Tickets in ihrer Mobilität eingeschränkt. Bielefelder*innen, die nur gelegentlich oder spontan in die Stadt zum Einkaufen, Stadtbummel, zu einer Veranstaltung oder einem Arzttermin fahren, müssen dies nun langfristig planen. Ohne Auto muss immer daran gedacht werden, dass die Prepaidkarte genug Geld für die geplanten Fahrten aufweist. Dies betrifft vor allem auch ältere Menschen.
Zwar sollen Papiertickets mit sofortiger Gültigkeit weiterhin an Fahrkartenautomaten erhältlich sein. Diese Automaten sind jedoch fast nur im Stadtbahnsystem vorhanden. Das Bussystem und damit große Teile Bielefelds bleiben außen vor. Die neuen Automaten in den Bussen schließen mit ihrer fehlenden Funktionalität – keine Barzahlung möglich – Kinder, Jugendliche, Menschen ohne Abo, Menschen ohne Smartphone von der bequemen, barrierefreien Nutzung des ÖPNV aus. Das ist ein Rückschritt.
Die Linke engagiert sich für eine umfassende Teilhabe, das schließt den öffentlichen Nahverkehr mit ein. Wir fordern von moBiel, dass die derzeitige Planung überdacht wird und Menschen in ihrer Mobilität nicht eingeschränkt werden. Langfristig fordert die Linke einen kostenfreien ÖPNV. Vielleicht wäre das jetzt die Chance für einen ersten Schritt dorthin. Statt umständliche Lösungen anzubieten, könnte man Gruppen wie Kinder und Senior*innen kostenfrei fahren lassen.
